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Forschungsbereich für Wasserbau

Geschichte

Geschichte des Instituts

Lehrkanzeln des k.k. Polytechnischen Institutes Wien (Gründung 1815)
Die Entwicklung der Lehrkanzel Land- und Wasserbaukunst (1818) zum Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie (2011)

Entwicklung des Instituts von 1815 bis 1970

Bereits im Jahre der Gründung (1815) des Wiener Polytechnikums hat der Gründer und damalige Direktor dieser Hohen Schule, Johann Josef Ritter von PRECHTL, in seiner Eröffnungsrede die Nutzung der natürlichen Ressourcen unserer Erde ausdrücklich erwähnt und die in diesem Sinne ausgerichtete Lehre als eine der vordringlichsten Aufgaben des Polytechnischen Instituts bezeichnet.

Dass dem lebensnotwendigen Element Wasser im Rahmen dieser festgelegten Orientierung eine besondere Bedeutung zukam, drückt sich in der Schaffung eines Lehrstuhls "Land- und Wasserbaukunst" im Jahre 1818 aus. Die Entwicklung des Wasserbaus seit der Gründung unserer Hohen Schule folgte auch die Lehre und Forschung der Wasserbaulehrstühle, wie dies teilweise aus den geänderten Bezeichnungen der Lehrstühle, noch deutlicher allerdings aus den Aktivitäten dieser Institute erkennbar wird.
Vor der Gründungszeit war der Wasserbau am Polytechnischen Institut mit anderen Fachbereichen des Bauingenieurs immer eng verbunden. Vom Tätigkeitsbereich der Lehrstuhlinhaber des Wasserbaus bis 1866 wissen wir wenig. Ab diesem Jahr trat der Wasserbau als Lehrstuhl eigenständig hervor; der erste Lehrkanzelinhaber war Prof. A. BEYER, vor seiner Berufung Ministerialingenieur.

J. G. SCHOEN wurde 1882 als Professor für Wasserbau und Straßenbau sowie Enzyklopädie des Wasserbaus ans Polytechnikum berufen. 1899/1900 wurden die von J. SCHOEN vertretenen Fachgebiete Wasser- und Straßenbau erstmalig und endgültig getrennt.

1909/10 begann R. HALTER seine Vorlesungen über Wasserbau. Er befasste sich hauptsächlich mit dem Fluss- und Hafenbau sowie dem Hochwasserschutz. Noch zur Zeit HALTERS wurde seine Lehrkanzel in Wasserbau I und Wasserbau II geteilt.

Wasserbau I für Hydrologie wurde von F. SCHAFFERNAK im Jahre 1919 übernommen, der es bis 1930 unter dieser Bezeichnung, später dann bis 1946 als Lehrkanzel für "Wasserwirtschaft, Flussbau und Wasserkraftanlagen" führte. F. SCHAFFERNAK, hat die Hydrologie als wichtige Grundlage für jedes wasserbauliche Projektvorhaben in methodischer und wissenschaftlicher Weise entwickelt. Ein weiterer grundlegender Verdienst von F. SCHAFFERNAK war, dass er die Bedeutung des wasserbautechnischen Versuchswesens für die Praxis in der Mitte der Zwanzigerjahre - damals noch in der Entwicklungsphase - erkannte. Es gelang ihm im Hörsaal des hydrologischen Instituts (3. Stock) eine Versuchsrinne zu errichten (1926), um den Studierenden ohne Ortsveränderung die experimentellen Vorführungen bieten zu können - Hörsaal und Laboratorium bildeten eine Einheit. Diesem Hörsaallaboratorium folgte 1929 im Institutsbereich ein Labor im 4. Stock, ausgestattet mit einer Flussbaurinne (B = 1,40 m, L = 10 m) und einer Glasrinne (B = 30,0 cm, L = 8,70 m).

Alter Hörsaal
Glasrinne
Flussbaurinne

Die bestehende Lehrkanzel Wasserbau II erhielt 1939 mit der Berufung von Karl v. TERZAGHI die zusätzliche Bezeichnung "Erdbaumechanik". Die Fachgebiete "Wasserversorgung, Abwasserbeseitigung und Landwirtschaftlicher Wasserbau" wurden von der Lehrkanzel Wasserbau III vertreten.

Nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst von F. SCHAFFERNAK wurde A. GRZYWIENSKI 1946 zum Vorstand des Wasserbau I Institutes berufen. Er konnte im Jahre 1956 mit dem Ausbau der Modellwerkstatt und eines kleineren Wasserbaulabors im Untergeschoß des Hauptgebäudes der Technischen Hochschule Wien den Anforderungen der Praxis teilweise Rechnung tragen. Im Jahre 1967 gelang es A. GRZYWIENSKI nach Abschluss eines Pachtvertrages mit der Gemeinde Wien auf dem Gebiet der ehemaligen Wiener Internationalen Gartenschau (WIG 1964) ein größeres wasserbauliches Laboratorium mit einer Grundfläche von B 20 m x L 50 m zu eröffnen. Diese Halle stellte jedoch eine Art Notlösung dar, den sie bot nicht alle erforderlichen Möglichkeiten für eine adäquate wasserbauliche Forschungsstätte. Besonderes Anliegen von A. GRZYWIENSKI war auch der Ausbau der österreichischen Donau und des Donauhochwasserschutzes von Wien. Im Jahre 1959 wurde deshalb die Institutsbezeichnung den Aktivitäten desselben angepasst und auf "Flussbau, Wasserkraftanlagen und Verkehrswasserbau" abgeändert.

Kellerlabor
Donauparkhalle (WIG) außen
Donauparkhalle (WIG) innen

Entwicklung des Instituts im Zeitraum 1971-1991

Zur Zeit der Übernahme des Wasserbau-Instituts im Jahre 1971 durch O.-J. RESCHER war die Institutsbezeichnung "WASSERKRAFTANLAGEN UND VERKEHRSWASSERBAU". Anlässlich seiner Berufung konnte  Prof. O.-J. RESCHER eine vollkommene Neugestaltung der Institutsräumlichkeiten durchführen. Dabei wurde die Räumlichkeiten für die Abwicklung von Lehre und Forschung sowie der Administration auf das 3. Stockwerk zusammengelegt. Was die Verwendung der Glasrinne für Demonstrationszwecke im Hörsaal betraf, wurde für die Studierenden eine wesentliche Verbesserung in dem Sinne erreicht, dass die vorhandenen hydraulischen Versuchseinrichtungen (Flussbaurinne B = 1,40 m, L  = 10 m und Glasrinne  B = 30,0 cm, L = 8,70 m) im 4. Stockwerk für die Hörer, sei es für Vorführungszwecke bzw. für die  Abwicklung von Übungs- und Forschungsarbeiten ohne Einschränkung zur  Verfügung gestellt werden konnte.

Seminarraum 222
Computerraum im 4. Stock
Photoelastische Versuchseinrichtung

Im Zusammenhang mit fortlaufend kleineren Adaptierungen und Neuausstattung des Instituts konnte im Jahre 1987 ein kleines EDV-Zentrum im 4. Stock geschaffen werden. Weitere kleine Versuchsräumlichkeiten, über die das Institut verfügte, waren im Kellergeschoß des Hauptgebäudes untergebracht. Diese dienten für die Abwicklung von kleineren flussbaulichen Versuchen sowie für die Durchführung von statischen oder dynamischen Modellversuchen (Talsperrenlabor mit photoelastischer Versuchseinrichtung).

Während der Zeit nach 1945 bis zu dem Beginn der 70-iger Jahre hatte in Mitteleuropa der Wasserkraft- und Wasserstraßenausbau einen hohen Stellenwert, danach hat sich ein Wandel vollzogen. Dem Rechnung tragend, wurde die Institutsbezeichnung 1980 in "KONSTRUKTIVER WASSERBAU" umgewandelt. Im Hinblick auf die zunehmende Bedeutung des experimentellen hydraulischen Versuchswesens für den Wasserbau wurde dem Institut im Jahre 1983 mit der Schaffung einer weiteren Universitätsprofessur "Experimentalhydraulik" Rechnung getragen. O.Univ.-Prof. Dr. H. OGRIS war bis 2002 Inhaber dieser Planstelle.

Seit dem Jahre 1967 verfügte das Institut - wie erwähnt - über eine größere Versuchshalle auf dem Donauparkgelände. Dadurch ergab zum ersten Mal die Möglichkeit, die Nachbildung von mittleren und größeren Flussabschnitten oder größeren Modellen unter Dach ausführen zu können. In dieser Versuchshalle wurde auch eine größere Glasrinne installiert (Breite 0,5 m, Länge 20 m), die den Erfordernissen für die Durchführung von zweidimensionalen hydraulischen Versuchen weit besser entsprach als die am Institut vorhandene, kleine Rinne. Diese Donaupark-Versuchshalle, für welche ein Pachtvertrag zwischen der KIBA (Gemeinde Wien) und dem Institut (TU Wien) bestand, wurde kurzfristig mit 31.12.1990 gekündigt; dies im Zusammenhang mit der geplanten Weltausstellung 1995 und anderen Stadtentwicklungsplänen. Damit verfügte das Institut über mehrere Jahre über kein leistungsfähiges Wasserbaulabor. Für Lehre und Praxis im Wasserbau ist aber die Nutzung und Zusammenarbeit mit einer hydraulischen Versuchsanstalt eine unabdingbare Notwendigkeit. Im Rahmen einer Neunutzung der Aspanggründe für die TU Wien ergab sich glücklicherweise zeitgleich 1990 die Möglichkeit für die Errichtung (Adaptierung einer dort bereits bestehenden Lagerhalle) einer modernen Versuchshalle.

Bestehende Lagerhalle vor Umbau zum neuen Wasserbaulabor

Entwicklung des Instituts im Zeitraum 1991- heute

Im Hinblick auf die Fragen struktureller Veränderungen in Lehre und Forschung des Instituts wurde auch jene, die Umweltauswirkungen von Projektvorhaben mit sich bringen, in verstärktem Maße miteinbezogen. Deshalb wurde dem Institut 1993 mit der Berufung von O.Univ.-Prof. Dr. H. DROBIR als Nachfolger von o.Univ.-Prof. O.-J. RESCHER zum Ordinarius für Konstruktiver Wasserbau, Verkehrswasserbau und Landschaftswasserbau auch der Landschaftswasserbau angeschlossen, der früher beim Institut für Wassergüte und Landschaftswasserbau angesiedelt war. Damit wurde eine sinnvolle Einheit für die Erfassung aller Aufgabenbereiche eines Wasserbaukonstrukteurs in einem Institut zusammengefasst.

Mit der Berufung von Prof. H. DROBIR erfolgte auch eine Neuaustattung des Instituts mit vernetzten PC-Arbeitsplätzen und einer modernen Laboraustattung welche bereits in die im Bau befindliche neue Versuchshalle auf den Aspanggründen integriert wurde.

Bauzustand: Einbau des Tieftanks mit 1000m3
Neues Wasserbaulabor

Das neue Wasserbaulabor konnte 1995 mit einer überdachten Versuchsfläche von 1400 m2 und einem Zusätzlichem Freigelände von 2000 m2 eröffnet werden. Mit der Inbetriebnahme des Labors erfolgte auch die sukzessive Aufrüstung mit moderner elektronischer Mess- und Computertechnik, welche eine neue Ära der Versuchstechnik im Wasserbaulabor der TU Wien einleitete. Durch diesen höheren Standard im Leistungsbild des Labors konnte eine Vielzahl verschiedener anspruchsvoller hydraulischer Modellversuche lukriert und durchgeführt werden, die weitere Austattungsverbesserungen erlaubten, etliche davon in eigener Entwicklung. Somit kann das Institut derzeit auf eine zeitgemäße Versuchsanstalt zurückgreifen die ihre Aufgaben in Lehre und Forschung bestens erfüllt.

Im Zuge der Neustrukturierung der Fakultät wurde 2002 das Ordinariat "Experimentalhydraulik" nach der Emeritierung von Prof. OGRIS eingespart. Dafür konnte nach der Emeritierung von Prof. Drobir 2004 seine Nachfolge auf die Universitätsprofessur "Wasserbau" durch Univ.Prof. Dr. P.TSCHERNUTTER 2005 erfolgen.

Durch die Neustrukturierung der TU Wien infolge der Erlangung der Autonomie der Universitäten im Jahre 2002 wurde auch das Institut für Konstruktiven Wasserbau im Oktober 2004 mit dem Institut für Hydraulik, Gewässerkunde und Wasserwirschaft zusammengelegt, mit der neuen Bezeichnung Institut für "Wasserbau und Ingenieurhydrologie", wobei nun das Fachgebiet "Technische Hydraulik" von der Abteilung Wasserbau abgedeckt wird.